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Bauer Köbi Büsser (55) ist verzweifelt: Ohne Regen muss er seine Kühe zum Metzger bringen

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Damit seine Kühe bei der Trockenheit nicht verdursten und verhungern, muss Landwirt Köbi Büsser aus Amden SG jeden Tag Wasser und Heu auf die Alp bringen. Lange geht das nicht mehr gut.

Und wieder füllt Köbi Büsser (55) die Milchtansen. Doch nicht mit Milch, sondern mit Wasser. Das fährt der Biobauer in seinem Subaru-Kombi auf seine Alp Diggi oberhalb von Amden SG. 300 Liter pro Fahrt, mehr als zwei Badewannen. Denn jede seiner Kühe braucht 100 Liter Wasser am Tag. Weil es so heiss ist. Und weil sie kein frisches Gras fressen, sondern vor allem trockenes Gras und Heu.

Und aus der Quelle kommt seit zwei Wochen kaum noch Wasser. Nur nachts tröpfelt es manchmal in die Tröge. Also fährt Büsser mehrmals täglich auf die Alp auf 1450 Meter, um seine Tiere zu tränken. Bleibt es so heiss und trocken, muss er die Wassermenge verdoppeln.

Ohne Wasser kein Gras für die Tiere

Der Wahnsinns-Sommer, über den sich die Städter freuen, führt hier hoch über dem Walensee nicht nur dazu, dass die Quellen kein Wasser mehr führen, er hat auch zur Folge, dass die Tiere nichts mehr zu fressen finden. Ohne Wasser wächst nämlich nichts.

Die zwölf Kühe, sieben Rinder und drei Ziegen verbringen den Tag daher auch im Stall – hier ist es kühler und schattig. Auf die Weide ziehen sie in der Nacht, wenn es abkühlt und auch die wenigen Pflanzen feuchter sind.

«Wenn es nicht bald regnet, wird es dramatisch», sagt Büsser. Dabei ist er noch in einer vergleichsweise komfortablen Situation. Seine Alp ist per Auto zu erreichen. Schlechter ergeht es jenen Landwirten, die Wasser per Helikopter anfordern müssen.

Denn das geht richtig ins Geld. Pro Flug kommen schnell mehrere Hundert Franken zusammen. Zumindest dann, wenn nicht die Armee das Wasser gratis fliegt, sondern ein privater Anbieter. Der muss nämlich seine Zustimmung für den Armeeeinsatz geben. Zum Glück ist die Trockenheit nicht überall so gross wie in der Ostschweiz, in Zürich und im Aargau.

Es braucht mindestens eine Woche Regen

Auch Büsser mag nicht klagen. «Noch kann ich damit umgehen. Aber die Lage wird von Tag zu Tag dramatischer.» Und ein kurzes Gewitter wird die Lage nicht normalisieren. «Dazu müsste es mindestens eine Woche regnen.» Doch danach sieht es nicht aus, wie Büsser mit sorgenvollem Blick in den stahlblauen Himmel feststellt.

Büsser bewirtschaftet den Hof seit 1984. Dass es auf der Alp kein Wasser mehr gibt, hat er noch nie erlebt. Auch sein Vater mochte sich an solche Durststrecken nicht erinnern. Selbst im Jahrhundertsommer 2003 sei die Quelle nicht versiegt. «Wir haben dieses Jahr eine sehr spezielle Wetterlage», sagt er.

Die nicht mehr lange andauern darf. Wenn es wirklich, wie von Meteo Schweiz vorausgesagt, bis Mitte August nicht regnet, müsste Büsser seine Tiere von der Alp holen – einen Monat früher als sonst. Doch auch unten sieht es nicht besser aus. Die Wiesen rund um Büssers Hof sind braun, verbrannt von der Sonne. «Dabei müssten wir jetzt eigentlich mähen. Aber das Gras ist seit fünf Wochen einfach nicht gewachsen.» Sein Heuertrag sei dieses Jahr ein Drittel geringer als normal.

Verkauf an Metzgerei, falls das Geld knapp wird

Büsser kann – wie viele andere Landwirte – eigentlich nur verlieren. Sowohl auf der Alp als auch auf dem Hof muss er Heu verfüttern, das eigentlich für den Winter gedacht ist. Nachschub kann er aber nicht ernten. Das heisst: Entweder muss er Heu einkaufen – von weit her, weil es in ganz Mitteleuropa so trocken ist. Das wird teuer.

Oder aber er verkauft ein paar seiner Tiere an den Metzger, um die anderen mit weniger Futter durchzubringen. Das geht auch ins Geld. «Denn darüber denken derzeit viele Landwirte nach.» Was dazu führt, dass die Preise in den Keller gehen. Und mit weniger Tieren kann Büsser im Winter weniger Milch verkaufen. «Ertragseinbussen gibt es in jedem Fall», sagt er. Er scheint sich damit abgefunden zu haben.

Mit etwas anderem aber nicht. «Ich verstehe schon, dass die Leute in der Stadt den Sommer geniessen», sagt Büsser. «Aber dieses Wetter sollte uns alle auch nachdenklich machen. Denn wir Landwirte sind nur die Ersten, die leiden. Irgendwann merken auch die Konsumenten, dass nicht immer alles im Überfluss vorhanden ist.»





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