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Paypal erhöht Händlergebühren ab August: Wo bleibt die Regulierung?

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Der Online-Bezahldienst Paypal wächst: mehr Kunden, mehr Transaktionen und ab August auch mehr Gebühren für Händler. Es wird höchste Zeit, dass die EU-Kommission sich der Regulierung neuer Bezahlverfahren annimmt.

Für kleine und mittlere Händler wird die Nutzung des Online-Bezahlverfahrens ab Ende August teurer. Die Basisgebühren für Händler bei den meisten Transaktionen steigen von 1,9 Prozent auf 2,49 Prozent pro Transaktion.

Paypal wächst: Mehr Kunden, mehr Transaktionen

Im vergangenen Halbjahr ist Paypal wieder größer geworden: Der Dienstleister meldet 16 Millionen aktive neue Kundenkonten, damit wächst der Kundenstamm auf 244 Millionen an. Dabei bleibt es nicht, Paypal hat auch im vergangenen Quartal mehr Transaktionen abgewickelt, das Volumen wuchs auf 2,3 Millionen Transaktionen. Ein Wachstum von 28 Prozent in Vergleich zum Vorjahresquartal.

Paypal erhöht Händlergebühren

Mit einigen Händlern hat Paypal bilaterale Verträge abgeschlossen, aber für die meisten kleinen bis mittleren Händler greift ab dem 31.August eine Gebührenerhöhung für den Erhalt von Zahlungen. Händler mit einem monatlichen Zahlungsvolumen unterhalb von 2.000 Euro zahlen zukünftig nicht mehr 1,9 Prozent pro Transaktion, sondern 2,49 Prozent. Ab einem Zahlungsvolumen von 2.000,01 bis 5.000 Euro zahlen Händler zukünftig 2,19 statt 1,9 Prozent, ab 5.000,01 1,99 Prozent statt 1,7 Prozent und ab einem Volumen von 25.000 Euro 1,99 Prozent statt 1,5 Prozent. Ab 25.000,01 liegt der Prozentsatz bei 1,79, erst ab 100.000 Euro sinkt die Umsatzbeteiligung auf 1,49 Prozent.

Paypal redet die Erhöhung schön und erklärt, es würden nun „für alle über die Paypal-Services empfangenen Zahlungen die gleichen Gebühren“ gelten. Das bezieht sich darauf, dass der Händlerdienst Paypal-Plus bisher schon 2,49 Prozent bei gleichem Umsatz berechnet.

Paypal und andere digitale Bezahlverfahren müssen reguliert werden

Zahlungsverfahren zu regulieren ist sinnvoll mit der Begründung des Verbraucherschutzes. Allerdings nur, wenn die Gebühren für beide Seiten einer Transaktion reguliert werden: Händlergebühren und Endkundengebühren. Einen Aufschlag für Zahlungsgebühren an Endkunden zu verbieten bringt nur etwas, wenn Händler nicht durch wirtschaftliche Notwendigkeit dazu gezwungen werden, den Aufschlag kalkulatorisch an den Endkunden weiterzugeben.

Paypal erhöht ohne Not die Gebühren in einem Zeitalter, in dem die Gebühren sinken. Die großen Wachstumszahlen und Gewinne des Unternehmens rechtfertigen jedenfalls keine Erhöhung. Einen gestiegenen Mehrwert kann Paypal ebenfalls nicht vorweisen – der Mehrwert der Bezahllösung ist weder gestiegen noch gesunken. Digitale Zahlungsverfahren sind eine Triebfeder für den digitalen Handel, die Gebühren zu erhöhen ist nicht förderlich für die Wirtschaft.

Lange Zeit haben die Anbieter eine Art „Demokratisierung“ der Bezahlung vorangetrieben, denn jeder kann ein Paypal-Konto eröffnen und die Gebühren der Kreditkartengesellschaften wurden teilweise ausgehebelt. Heute sitzen die Zahlungsdienstleister selbst wie eine fette Spinne im Netz und wiederholen die Verhaltensweisen der etablierten Netzwerkbetreiber, die sich immer mehr Gebühren gegönnt haben – bis sie reguliert wurden. Jetzt ist es an der Zeit, dass die EU-Kommission die Bedeutung der Zahlungsdienste erkennt und ebenfalls zur Regulierung schreitet, um dem Gebührenwildwuchs ein Ende zu bereiten. Das würde nicht nur Händler, sondern am Ende auch den Verbraucher stärken.





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