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Tessiner Bauer im Dauerstreit mit den SBB: «Ich lasse mich nicht mit einem Spottpreis abspeisen»

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CASTIONE TI –
Auf das Grundstück von Damiano Vivacqua (65) erheben die Bahnen bereits heute Ansprüche. Die eindeutige Ansage an den Kleinbauern: Fünf Jahre darf er sein Land nicht verkaufen und nichts darauf bauen.

Noch bevor Bern grünes Licht gibt für das geplante neue Industriewerk in Castione TI, setzen die SBB schon die Daumen auf die gewünschten Grundstücke. Die meisten gehören Privatpersonen. Mittendrin: der Hof der Familie von Damiano Vivacqua (65). Er erfuhr durch Zufall am Fernseher vom Grossprojekt. Die SBB wählen Castione als neuen Standort, brauchen 150’000 Quadratmeter Land. An einem Info-Abend werden die Grundstücksbesitzer vor vollendete Tatsachen gestellt.

Der Kleinbauer und Rentner lebt mit Ehefrau, Tochter und Enkelinnen in seinem Paradies, wie er es nennt: Obstbäume, Tiere, Weide und zwei Eigenheime. Alles soll ihnen weggenommen werden (BLICK berichtete). Wie ernst es die Bahn damit meint, bekommt der Kleinbauer schon jetzt zu spüren. 

SBB-Ansage kam per Einschreiben ins Haus geflattert

Um ihre Entschlossenheit zu untermauern, verschickten die SBB zusätzlich ein Einschreiben. Auch Damiano Vivacqua bekam dicke Post. «Darin steht, dass mein Hof nun für die SBB blockiert sei», sagt er. Und: «Ich dürfe mein Land die nächsten fünf Jahre nicht verkaufen, dürfe darauf nichts bauen, was den Wert steigere.»

Bis Ende August habe Vivacqua Zeit, «Anmerkungen» einzureichen. Rekurse seien überflüssig, sie hätten keine Wirkung, heisst es nüchtern weiter. «Man fühlt sich vollkommen ausgeliefert», sagt Vivacqua. Der Bauer hat sich nun einen Anwalt genommen. Sein Ziel: «Ich will nicht kampflos aufgeben. Die SBB sollen mir einen Hof in der Region beschaffen, der genauso schön ist wie meiner!»

Agrarland ist zum Spottpreis zu haben

Eines macht dem gebürtigen Süditaliener besonders Sorgen. «Jenseits meines Gartenzaunes sind die von den SBB gewünschten Privatgrundstücke bereits Industriegebiet. Da kostet der Quadratmeter gute 500 Franken. Meine 8000 Quadratmeter aber sind Agrarland. Da liegt der Quadratmeterpreis schätzungsweise bei zehn bis 15 Franken.»

Er sorgt sich: «Wenn die SBB schon jetzt den Daumen auf meinen Hof halten, dann fürchte ich, wollen sie vielleicht den aktuellen Marktwert zahlen.» Aber: «Mit einem Spottpreis lasse ich mich nicht abspeisen!» Denn nach der Umzonung wäre Vivacquas Land 50-mal so viel wert. 

Bundesgesetz von 1930 erlaubt SBB Enteignung

Der Kleinbauer will kämpfen, auch wenn er seine Erfolgsaussichten als gering einschätzt. «Ob ich kleines Licht mich gegen die SBB behaupten kann?», fragt er sich. Ausserdem wissen er und sein Anwalt: Die SBB könnten ihn zur Not einfach enteignen. Das erlaubt ihnen ein Bundesgesetz aus dem Jahre 1930.

Traurig schaut Damiano Vivacqua schon heute auf seinen Obstgarten. «Ich habe hier in den vergangenen 20 Jahren viele schöne Bäume gepflanzt. Wir ernten Kirschen, Birnen, Zwetschgen und Pflaumen, Feigen und Weintrauben.» Er befürchtet: «Bald kommen die Bagger, und durch meinen Garten Eden werden Schienen führen.»





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