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Coop und Migros wollen ihre Lautsprecher nicht leiser stellen: Keine Vorzugsbehandlung für Autisten

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Detailhändler haben die Werbeausgaben erhöht (Symbolbild)

Um Autisten zu helfen, führt die britische Supermarktkette Morrisons eine «stille Stunde» ein. Bei Migros und Coop will man davon nichts wissen.

Die britische Supermarktkette Morrisons führt in all ihren Filialen eine sogenannte «stille Stunde» ein. Die Lautsprecher-Durchsagen werden auf ein Minimum reduziert, statt Einkaufswagen gibt es nur Einkaufskörbe, die elektronischen Scanning-Geräusche an der Kasse werden leiser gestellt.

Mit diesen und weiteren Massnahmen soll Menschen mit Autismus geholfen werden, die oftmals lärmsensibel sind, teilte Morrisons vergangene Woche mit. Massnahmen, die auch das Leben von Autisten in der Schweiz vereinfachen könnten. Doch sowohl Coop als auch Migros sehen keinen Grund, das System zu kopieren.

Genügend Ausweichmöglichkeiten vorhanden

Lärmempfindliche Personen könnten kleinere Filialen und Zeiten auswählen, in denen die Besucherzahl geringer sei, wird eine Migros-Sprecherin in der «Aargauer Zeitung» zitiert. Zusätzlich wird auf die Online-Einkaufsmöglichkeit LeShop hingewiesen.

Auch bei Coop scheint man davon auszugehen, dass Menschen mit Autismus genügend Möglichkeiten haben, trotz ihrer Defizite, problemlos einkaufen zu können. Man habe bisher keine Anfragen dazu erhalten, wolle diese aber im Einzelfall prüfen, heisst es gegenüber der «Aargauer Zeitung». Auch Denner, Aldi und Lidl haben demnach keine Anpassungen geplant.

Rund 80’000 Personen in der Schweiz betroffen

Wer an einer Form von Autismus leidet – die Entwicklungsstörung gibt es in verschieden starken Ausprägungen – nimmt seine Umwelt anders wahr als Nicht-Autisten. Es fällt Autisten oft schwer, mit anderen Menschen zu kommunizieren,sie haben Probleme, Situationen ganzheitlich zu erfassen. Häufig besitzen sie eine Über- oder Unterempflndlichkeit auf Licht, Geräusche, Gerüche oder Berührungen. Dinge, die für andere Menschen normal sind, lösen bei Autisten Stressreaktionen aus, weswegen es vorkommen kann, dass sie sich von der Aussenwelt abkapseln. 

Wie viele Menschen in der Schweiz von Autismus betroffen sind, ist nicht bekannt. Entsprechende Untersuchungen fehlen. Experten gehen, basierend auf den Zahlen aus dem Ausland, davon aus, dass hierzulande ungefähr zwischen 50’000 und 80’000 Personen an einer Störung aus dem Autismus-Spektrum leiden. Im Vergleich zu anderen Ländern wird Autismus in der Schweiz bisher nicht als Krankheit angesehen. (vof)





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