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Allyouneed am Ende: DHL schließt sein gescheitertes Online-Kaufhaus

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Die DHL schließt ihren Marktplatz Allyouneed.com. Das kommt für viele nicht wirklich überraschend. Die Art, wie man sich das gescheiterte Projekt schön redet, ist aber doch bemerkenswert.

Für den Marktplatz Allyouneed.com (entgegen der Namensähnlichkeit übrigens nicht für das Lebensmittel-Startup Allyouneed Fresh) gehen im Laufe des Jahres die Lichter aus. Das E-Commerce-Startup der DHL/Deutschen Post versuchte über acht Jahre, erfolgreich zu werden. Gelungen ist das dem Unternehmen freilich nie. Man habe zwar in den acht Jahren viel erreicht, aber festgestellt, dass man als DHL nicht unbedingt selbst Betreiber eines Marktplatzes sein müsse, heißt es. Späte Erkenntnis, wenn man sich die wechselvolle Geschichte von Allyouneed anschaut. 2010 startete der Marktplatz unter dem Namen „Mein Paket“, und der DHL sei es gelungen, „sämtliche Facetten des Onlinehandels auch aus Kundensicht kennenzulernen“, wie es in einem Statement des Unternehmens heißt.

Allyouneed: Nur als Lieferant für E-Commerce-Erfahrungen geplant

Ziel sei es aber immer gewesen, E-Commerce-Expertise branchenspezifisch auszubauen, um das logistische Kerngeschäft mit diesem Know-how zu unterstützen. Kernkompetenz bleibe aber weiterhin die Logistik, sodass man nun bei Allyouneed den Stecker zieht. Eine Erklärung, die wenig glaubhaft klingt und eher so, als müsse das Ende von Allyouneed jetzt schöngeredet werden. Irgendwie mag man nicht so recht daran glauben, dass all die Millionen, die die DHL in den letzten acht Jahren in das Projekt investiert hat, nur dazu gedient haben sollen, Erfahrungen zu sammeln.

In den nächsten Wochen will der Logistiker die Händler über die genauen Modalitäten der Schließung informieren. Bis dahin solle – selbstverständlich – der Betrieb ganz normal weiterlaufen und man werde sämtliche Transaktionen ordnungsgemäß abwickeln. Zuletzt hätten mehr als 3.000 Händler über Allyouneed.com Waren verkauft und 5 Millionen Kunden hätten das Angebot genutzt.

Als kleineren Ableger hatte es in Bonn Allyouneed City gegeben, einen regionalen Marktplatz, an dem in den letzten neun Monaten 170 Händler teilgenommen hatten. Damit ist jetzt ebenfalls Schluss, auch wenn das Thema laut DHL-Paketchef Achim Dünnwald im Rahmen des Pilotprojekts gut angelaufen sei. Auch er betont, dass es mit dem Ansammeln von Know-how jetzt genug sei: „Wir haben alle Erfahrungen gesammelt, die wir benötigen, wenn wir zukünftig für solche Kooperationen zwischen Einzelhandel und E-Commerce logistische Lösungen anbieten sollen.“ In Zukunft wolle man sowas nur noch in Kooperation mit Partnern angehen, die sich komplett um die Marktplatzthematik kümmern könnten.

Kein Käufer in Sicht: Allyouneed wird nicht weitergeführt

Klingt einerseits vernünftig, andererseits ist das aber auch eine Erkenntnis, zu der man mithilfe von Experten aus dem jeweiligen Umfeld – die man hätte anwerben können – auch schon einige Jahre früher hätte kommen können. Klar ist aber auch, dass man gerade im Paketbereich bereits an die Kapazitätsgrenzen kommt. Das geht nicht nur der Deutschen Post/DHL so, sondern auch allen anderen Paketdienstleistern.

Bemerkenswert ist es aber dennoch, dass das Unternehmen nicht an irgendwen verkauft wird, der es nochmal versuchen will oder zumindest mit der aufgebauten Kundendatenbank und Marktplatzlogistik wachsen will, sondern der Marktplatz wird endgültig eingestellt. Ob es die DHL gar nicht erst versucht hat oder ob sich einfach kein passender Partner (gegebenenfalls zu einem bestimmten Preis) finden ließ, ist unklar. Ersteres ist gerade angesichts der aktuellen Marktsituation in Deutschland, in der viele kleinere Unternehmen auch den E-Commerce für sich entdecken, unwarhscheinlich.

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