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Infrastrukturen, Militär-Basis und mehr: Chinesen kaufen Afrika auf

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NAIROBI –
Sie fragen nicht und verlangen keine Sicherheiten: Afrika empfing chinesische Investoren über Jahre mit Handkuss. Inzwischen beherrschen sie viele Infrastrukturen und besitzen eine militärische Basis. Nun hoffen die Afrikaner auf den Westen.

In diesen Tagen besucht der chinesische Präsident Xi Jinping (65) mehrere afrikanische Länder. Seine Mission: die Wirtschaftsbeziehungen stärken. In Ruanda sprach er von einer «Win-win-Basis» zwischen China und Afrika, als er und Präsident Paul Kagame (60) mehrere bilaterale Abkommen unterzeichneten. Kagame seinerseits sagte: «Die wachsende Beziehung mit China basiert auf gegenseitigem Respekt sowie gegenseitigen Interessen.»

Schöne Worte von beiden Seiten, doch die Realität sieht anders aus: Wie in manchen afrikanischen Staaten wird China auch in Ruanda der grosse Profiteur sein.

Chinesen wollen Gegenrecht

Die grossen Investitionen in Afrika begannen nach dem Ende des Kalten Kriegs. Während die Weltbank und der Internationale Währungsfonds bei der Vergabe von Krediten sehr zögerlich waren und bei den überbewerteten afrikanischen Währungen eine Korrektur forderten, zauderten die Chinesen nicht lange. Sie kümmerten sich weder um finanzielle Sicherheiten noch um die Einhaltung von Menschenrechten. 

So unkomplizierte Investoren waren in Afrika willkommen!

Einfach so investierten die Chinesen allerdings nicht. Sie pochten auf Gegenrechte: Die Afrikaner mussten zum Beispiel Fischereirechte, den Anspruch auf Bodenschätze und Infrastrukturen abtreten. Auch bedingten sich die Chinesen aus, dass eigene Leute gigantische Bauprojekte ausführten und sie ihre Waren in afrikanischen Ländern anbieten konnten.

Es sind bisher weit über 100 Milliarden Franken, welche die Chinesen in Afrika in Kraftwerke, Autobahnen und Eisenbahnlinien investiert oder an Krediten vergeben haben. Allein 2016 flossen über 36 Milliarden Franken von China nach Afrika – mehr als aus den USA und Europa zusammen. Viele Unternehmen befinden sich in chinesischer Hand, so auch Telekommunikationsfirmen und lukrative Minen.

Bahn-Schulden werden kaum zurückbezahlt

Eben sind zwei Mega-Bahn-Projekte mit mehrheitlich chinesischer Beteiligung abgeschlossen worden. In Äthiopien haben die Chinesen die 756 Kilometer lange Strecke von Addis Abeba nach Dschibuti gebaut, in Kenia die 472 Kilometer lange Strecke von Nairobi nach Mombasa komplett erneuert.

Wegen der Korruption schossen in Kenia die Baukosten massiv in die Höhe. Mit 3,8 Milliarden Franken beträgt die Schlussrechnung fast dreimal mehr als bei vergleichbaren Bahnstrecken.

Dabei versinkt das Land in den Schulden. Über die Hälfte Staatsausgaben werden zur Schuldentilgung verwendet. Den Chinesen die Kredite für die Bahn zurückzahlen? Keine Chance! Daher wird die Bahn bis auf weiteres unter der Kontrolle der Asiaten bleiben. Auch den wichtigen Schiffshafen in Mombasa werden sich die Investoren wohl auf diese Weise unter den Nagel reissen.

Chinesen stationieren Militär

Nebst wirtschaftlichem Vorteil bauen die Chinesen auch den militärischen Einfluss aus. Der Waffenexport nach Afrika betrug in den vergangenen zehn Jahren schätzungsweise drei Milliarden Franken.

Zudem verfügt China in Dschibuti seit 2017 eine Basis, wo chinesische Kriegsschiffe anlegen können. Die Lage ist strategisch günstig: Dschibuti liegt am Flaschenhals zwischen dem Golf von Aden und dem Roten Meer, von wo man über den Suezkanal ins Mittelmeer gelangen kann. Es ist eine der wichtigsten Handelsrouten der Welt.

«Sie behandeln uns wie Sklaven»

Auch der Umgang der Chinesen mit den Einheimischen ist schlecht. Ein 30-jähriger Kenianer, der bis vor kurzem an der Eisenbahnlinie mitgearbeitet hat, schildert BLICK seinen Alltag unter chinesischer Hand: «Wir wurden zum Teil wie Sklaven behandelt. Wir schufteten für fünf Dollar bis zwölf Stunden am Tag! Wer einen Fehler machte, wurde bestraft oder heimgeschickt.»

Afrika hofft auf den Westen

Die ersten Staaten merken inzwischen, wie sie in die Fänge der Chinesen getrieben werden. «Afrika erwacht», sagt Afrika-Kenner Dominik Langenbacher (67), der in mehreren afrikanischen Staaten als Botschafter für die Schweiz gearbeitet hatte und heute in Nairobi lebt. Er verweist auf Äthiopien, wo der neue Ministerpräsident Abiy Ahmed (41) korrigierend eingreifen wolle. Langenbacher: «Er hat die Bevölkerung aufgerufen, den Gürtel enger zu schnallen, um Schulden zurückzahlen zu können.»

China-Präsident akquiriert weiter

Zudem würde die Zusammenarbeit mit Währungsfonds und Weltbank wieder zum Thema. Langenbacher: «Die Afrikaner hoffen jetzt, dass ihnen der Westen und seine Institutionen helfen, die chinesischen Schulden abzubauen und die chinesischen Investitionen zurückzubinden.» 

Chinas Präsident Xi Jinping kümmert das wenig. Bis Ende Woche weilt er in Südafrika, wo er seine Fäden weiter spinnt. Am Mittwoch sagte er dem Land Investitionen von gegen 15 Milliarden US-Dollar zu – natürlich wieder auf einer Win-win-Basis.





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