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«Ma’am» (58) muss 10,5 Jahre in den Knast: Thailänderin in Biel BE wegen Menschenhandel verurteilt

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Das Bieler Gerichtsgebäude ist Schauplatz eines mehrtägigen Prozesses um Menschenhandel. Die Opfer sind 88 Frauen und Transsexuelle aus Thailand. (Archivbild)

BIEL BE –
Eine Thailänderin (58) stand wegen Menschenhandels in 88 Fällen in Biel BE vor Gericht. Jetzt wurde die Frau zu 10,5 Jahren Knast verurteilt.

In einem der grössten Fälle von Menschenhandel in der Schweiz ist am Mittwoch in Biel eine 58-jährige Thailänderin zu 10,5 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden. Sie wurde des Menschenhandels, teilweise versucht begangen, in 75 Fällen schuldig gesprochen. Das Regionalgericht Berner Jura-Seeland sprach die Frau auch der Förderung der Prostitution, mehrfach und teilweise versucht begangen, in 29 Fällen schuldig.

Dazu kommen Verurteilungen wegen Förderung der rechtswidrigen Einreise und des rechtswidrigen Aufenthalts in der Schweiz in Bereicherungsabsicht, teilweise versucht begangen, in 86 Fällen, und Geldwäscherei, gewerbsmässig begangen. Der Deliktsbetrag beträgt mindestens 120’000 Franken.

«Gut organisierten und menschenverachtende Organisationsform»

Die 58-jährige Frau hat nach Überzeugung des Gerichts 75 arme und meist ungebildete Landsfrauen in die Schweiz gelockt. Der Gerichtspräsident sprach von einer «komplexen, gut organisierten und menschenverachtenden Organisationsform».

Laut Staatsanwaltschaft waren sich die jungen Thailänderinnen bewusst, dass sie sich in der Schweiz prostituieren mussten. Sie erwarteten aber nicht, dass sie härteste Arbeitsbedingungen vorfinden würden und zuerst hohe Schulden abzahlen mussten. Die Prostituierten, welche die 58-jährige als «Ma’am» bezeichneten, arbeiteten in mehreren Kantonen.

«Strenges Urteil» gegen die die 58-jährige «Ma’am»

Nach dem Bieler Menschenhandelprozess hat der Verteidiger der 58-jährigen Thailänderin von einem «strengen Urteil» gesprochen. Rechtsanwalt Philipp Kunz sprach aber auch von einem «wohlbegründeten Urteil».

Vermutlich werde er vorsorglich Berufung anmelden, sagte Kunz nach der Urteilseröffung vor Medienschaffenden. Dies, um das Urteil mit seiner Mandantin, die nicht Deutsch spricht, eingehend durchgehen zu können. Sie sei vom Urteil erschüttert, so Kunz.

Thai-Menschenhändlerin sitzt seit vier Jahren in der Schweiz im Knast

Laut der Schweizerischen Strafprozessordnung muss jemand, der ein erstinstanzliches Urteil anfechten will, innert zehn Tagen nach dessen Eröffnung Berufung anmelden. Sobald das Urteil schriftlich vorliegt, muss die Berufung bestätigt werden oder nicht.

Die Thailänderin befindet sich seit vier Jahren in der Schweiz in Haft. Zuerst steckte sie in Untersuchungshaft, seit 2016 im vorzeitigen Strafvollzug. Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft, Annatina Schultz Aschenberger, sagte, auch sie werde die schriftliche Urteilsbegründung abwarten, bevor sie über einen allfälligen Weiterzug entscheide. (SDA)





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