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Initiative gegen Arbeitslosigkeit im Alter: «Wir sind keine Einzelfälle!»

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Arbeitslos, weil man zu alt ist: Mit einer Volksinitiative will ein Verein die Karten von älteren Arbeitnehmenden im Arbeitsmarkt verbessern.

Franziska Hulliger hat viel Zeit zum Unterschriftensammeln. Zeit, die sie eigentlich lieber nicht haben würde. Die 61-Jährige aus Wasen im Emmental sucht seit nunmehr sieben Jahren einen festen Job. Vergebens. Einzig einen Aushilfsjob in der Gastrobranche konnte Hulliger ergattern. Mehr als ein paar Stunden pro Woche beschäftigt der sie allerdings nicht.

 

«Arbeit statt Armut»: Das ist der Wunsch von Franziska Hulliger. Und es ist der Titel einer Volksinitiative, die heute in Bern lanciert worden ist. Hinter der Initiative steht der Verein Workfair 50+, der sich für arbeitslose und von Arbeitslosigkeit bedrohte Personen über 50 einsetzt. Im elfköpfigen Komitee sitzt auch Hulliger.

Gleicher Pensionskassen-Satz für alle

Die Initiative will das System der Pensionskassen-Sätze umkrempeln. Bislang sind diese progressiv, das heisst: Je älter ein Arbeitnehmer, desto mehr Lohnprozente müssen er und der Arbeitgeber für die Pensionskasse zur Seite legen. Beträgt der Satz bei 25- bis 34-Jährigen insgesamt noch 7 Prozent, sind es bei 45- bis 54-Jährigen schon 15 und bei 55- bis 65-Jährigen sogar 18 Prozent. 

Geht es nach den Initianten, sollen künftig alle Angestellten gleich viel für die Pensionskasse zahlen – egal wie alt sie sind. Dafür will die Initiative, dass schon ab dem 17. Lebensjahr eine Beitragspflicht gilt. Heute liegt die Schwelle bei 25 Jahren.

Die steigenden Sätze würden Ältere im Arbeitsmarkt benachteiligen, ist Pierre Bayerdörfer von Workfair 50+ überzeugt. Vielen älteren Arbeitnehmenden werde deswegen gekündigt. «Zwar gibt das kein Unternehmen zu. Aber es ist ganz offensichtlich ein Fakt», sagt Bayerdörfer. Die Folge der Arbeitslosigkeit: Aussteuerung, Altersarmut, Abrutschen in die Sozialhilfe. «Nur 14 Prozent aller Ausgesteuerten schaffen den Wiedereinstieg in den regulären Arbeitsmarkt», sagt Bayerdörfer.

«Wir sind kein Einzelfall!»

Die Fakten kennt auch Hulliger. Vor allem aber weiss sie, was das für die Betroffenen bedeutet. Auch ihrem Mann Bruno (62) sei «aus wirtschaftlichen Gründen» gekündigt worden. Kurz darauf sei die frei gewordene Stelle bereits wieder besetzt gewesen – mit einem jüngeren Angestellten. 

Hulliger ist sich sicher: «Wir sind kein Einzelfall!» Seit zwei Jahren leitet sie eine Arbeitsgruppe von Arbeitslosen über 50. Der Support für die Initiative sei gross – auch wenn sie für die Betroffenen selbst zu spät kommt. «Wir machen das für die Jungen», sagt Hulliger. «Damit sie später nicht in dieselbe Situation kommen wie wir.» 

Teure Übergangsfrist

Noch kämpfen die Betroffenen allerdings alleine für das Anliegen. Support von Parteien oder namhaften Organisationen hat das Initiativkomitee noch nicht. Das werde man erst in den kommenden Wochen angehen, sagt Bayerdörfer. 

Auch wenn sich die Initianten kämpferisch zeigen: Auf der politischen Bühne wird es das Anliegen schwierig haben. Im Parlament ist ein linearer PK-Satz bereits mehrfach diskutiert und stets verworfen worden. Das Hauptargument dagegen ist, dass eine Änderung sehr kompliziert, langwierig und vor allem teuer wäre. Der Bundesrat rechnet mit einer Übergangsfrist von etwa 20 Jahren. In dieser Zeit müssten zwei Systeme parallel laufen. Das würde bis zu eine Milliarde kosten, rechnete der Bund vor ein paar Jahren vor – pro Jahr.





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