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Wirtschaftsrechtsexperte Peter V. Kunz zur Umstrukturierung bei Raiffeisen: «Der CEO ist zu stark, der Verwaltungsrat zu schwach»

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ZÜRICH –
Die Genossenschaftsbank Raiffeisen steht vor dem grössten Umbruch ihrer Geschichte: Wirtschaftsrechtsexperte Peter. V. Kunz (53) plädiert für eine Umwandlung in eine AG. Im BLICK-Interview sagt er warum.

Die Finanzmarktaufsicht (Finma) hat den Bericht zum Funktionieren der Unternehmensführung bei Raiffeisen Schweiz in der Ära Vincenz veröffentlicht. Das Urteil fällt vernichtend aus; funktioniert hat wenig, der damalige Chef Vincenz konnte seinen Drang nach Macht und Geld fast ungehindert ausleben. Die Finma fordert deshalb Veränderungen in der Organisationsstruktur von Raiffeisen Schweiz.

BLICK: Die Finma fordert Raiffeisen auf, die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft zu prüfen. Warum?
Peter. V. Kunz: Bei Aktiengesellschaften ist die Risikokontrolle und die Überwachung der Rechtmässigkeit einfacher. Der Finma geht es wohl in erster Linie um Verbesserungen bei der Corporate Governance und bei der Legal Compliance. Ausserdem wäre die Gesellschaftsform der AG bei Raiffeisen im Hinblick auf Systemrisiken vorteilhaft. Notfallpläne bei vernetzten Genossenschaften sind kaum möglich.

Was sind die Hauptprobleme bei der heutigen Organisationsstruktur?
Die Corporate Governance ist bei Raiffeisen ungenügend. Der CEO ist schlicht zu stark gegenüber einem schwachen Verwaltungsrat, der ihn eigentlich überwachen und ein Gesprächspartner auf Augenhöhe sein müsste. Dass der VR-Präsident zudem nur eine Teilzeitanstellung bei Raiffeisen hat, schwächt ihn zusätzlich – das ist bei den anderen grösseren Bankkonzernen eigentlich undenkbar.

Hat die Umwandlung in eine AG bei den Genossenschaftern überhaupt eine Chance?
Nicht heute oder morgen, aber die Genossenschafter werden sich an den Gedanken gewöhnen müssen. Bis anhin war die Genossenschaftsstruktur eine rote Linie, doch das wird sich nicht zuletzt wegen der Intervention der Finma nun ändern. Die Finma spielt den Ball jetzt Raiffeisen zu, damit es auch emotional zu einer Enttabuisierung dieser Thematik kommt. Ich befürworte bei Raiffeisen seit zehn Jahren, dass die Genossenschaften in AG umgewandelt werden.

Wäre auch eine Mischform denkbar?
Statt einer eigentlichen Umwandlung könnte ich mir aber auch vorstellen, dass zumindest die Kleinbanken als Genossenschaften bleiben, hingegen nicht die St. Galler Muttergesellschaft.

Was würde eine Neustrukturierung für die Kunden bedeuten?
Der Kunde würde es nicht merken, für ihn wäre es weder positiv noch negativ. Viele Kunden fühlen sich jedoch emotional stärker mit einer «lieben» Genossenschaft verbunden als mit einer «bösen» Aktiengesellschaft.





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