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US-Ermittler sind entsetzt über geheimes Software-Update: Apple schliesst Hacker-Schlupfloch

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Von der WWDC-Konferenz am Montagabend (MEZ) wird erwartet, dass Apple-Chef Tim Cook und sein Team vorzeichnen, wie der Weg des Konzerns in die Zukunft künstlicher Intelligenz aussehen wird.(Archiv)

Apple macht ernst! Der US-Riese schliesst ein technologisches Schlupfloch, das Behörden in iPhones hacken liess. Strafverfolgungsbehörden in den USA sind entsetzt. Im Land ist eine Debatte entfacht, ob die Polizei das Recht auf persönliche Daten von Kriminellen haben soll. 

Datenschützer jubeln über ein geheimes Software-Update von Apple, das kurz bevorsteht: Der US-Konzern will sicherstellen, dass nur noch der Besitzer des iPhones Zugriff auf persönliche Daten hat. Ohne Wenn und Aber! Denn Apple weiss: Je besser sie die Privatsphäre ihrer Kunden schützt, desto angesehener ihr Image und umso höher die Verkaufszahlen. 

Apple schliesst mit dem Software-Update ein technologisches Schlupfloch, das Behörden bislang in iPhones hacken liess. Konkret geht es um den Lade- und Datenanschluss des Geräts. Das ist die Öffnung, an der man Ladegerät und Kopfhörer anschliesst.

Mit dem Update soll der Datenanschluss eine Stunde nach der Sperrung des Telefons deaktiviert werden. Das Smartphone kann man so zwar weiterhin aufladen, aber es können keine Daten mehr übertragen werden. Erst wenn eine Person das Passwort des Telefons eingibt, funktioniert der Datenfluss wieder. 

Die Nachrichten vom geplantem Software-Update haben sich zuerst über Sicherheitsblogs verbreitet. Apple hat am Mittwochabend gegenüber diversen US-Medien und BLICK die Berichte bestätigt.

«Wir kennen Kinder, die wir nicht mehr schützen können»

Auf die bevorstehenden Änderungen haben US-Ermittlungsbehörden entsetzt reagiert. Sie konnten bislang verschlossene iPhones sogar Monate nach der Sperrung noch öffnen, indem sie ein anderes Gerät mit spezieller Software von Drittanbietern verwendeten. Weil Apple den Datenfluss nun nach einer Stunde deaktiviert, wird dies nicht mehr möglich sein. 

Die Polizei im US-Staat Indiana hat alleine in diesem Jahr 96 iPhones mit einer Ermächtigung entsperrt, um Beweise gegen Verdächtige zu sammeln. Chuck Cohen leitet in Indiana die Task-Force über Internet-Verbrechen gegen Kinder. Er sagt gegenüber der «New York Times»: «Wenn wir wieder zu der Situation zurückgehen, in der wir keinen Zugang haben, wissen wir über alle Beweise Bescheid, die wir verlieren werden. Und somit kennen wir auch alle Kinder, die wir nicht mehr schützen können.»  

Apple-Email: «Neuerungen richten sich gegen Kriminelle»

Verfechter der Privatsphäre sehen den Schritt von Apple hingegen als positiv an. Matthew Green, Professor für Kryptographie an der Johns Hopkins University, sagte der «New York Times»: «Das war eine wirklich grosse Schwachstelle des iPhones.» Wenn Polizeiposten über Software von Drittanbietern verfügen, könnten diese leicht auch in die falschen Hände geraten, ist Green überzeugt.

Apple-Sprecher Fred Sainz verteidigte das Software-Update in einer E-Mail, das US-Medien vorliegt. Er schreibt, dass Apple ständig versuche, Schwachstellen seiner Telefone zu beheben. Die Neuerungen richten sich demnach nicht gegen die Ermittlungsbehörden, sondern gegen Kriminelle. Sainz fuhr fort: «Wir haben den grössten Respekt vor der Strafverfolgung und wir entwerfen unsere Sicherheitsverbesserungen nicht, um ihre Arbeit zu vereiteln.»

FBI nutzte Schlupfloch 2016 aus

In den USA ist nun eine Debatte darüber entfacht, ob die Polizei das Recht auf persönliche Daten in aussergewöhnlichen Fällen haben soll.

Schon 2016 war diese Frage in aller Munde. Damals klagte das FBI gegen Apple, weil sich das Unternehmen weigerte, das verschlossene iPhone eines Massenmörders zu öffnen. Das FBI machte damals vom Schlupfloch Gebrauch, welches Apple nun schliesst. 





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