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65-Jähriger schiesst Abwart in Schwamendingen nieder – Freunde des Täters erzählen: «Erich wurde in der Alterssiedlung gemobbt»

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Blutbad in der Alterssiedlung: In Zürich-Schwamendingen eskalierte ein Streit zwischen Ex-Sprengmeister Erich L. (65) und Abwart Philippe M. (60). Freunde des Schützen versuchen, die Tat zu erklären.

Sonntagabend in einer Alterssiedlung in der Stettbachstrasse in Zürich-Schwamendingen: Ein Streit zwischen Anwohner Erich L.* und Abwart Philippe M.* eskaliert. Erich L. schiesst Philippe M. mit einer Faustfeuerwaffe in den Bauch. Leberdurchschuss! Philippe M. sackt zusammen. Marie M. (56), die Frau von Philippe M., muss die Tat mitansehen.

Doch warum drehte Erich L. durch? Während ihn Nachbarn beim Tatort als Spinner bezeichnen, zeichnen Freunde an seinem früheren Wohnort in der Nähe ein ganz anderes Bild vom 65-Jährigen. Dort war Erich L. beliebt, hatte viele Freunde. Ruth D. ist eine von ihnen. Sie kennt Erich L. seit 30 Jahren. «Er ist ein äusserst liebenswürdiger Mensch. Als Abwart unserer Siedlung nahm er seinen Job sehr ernst.»

«Buttersäure ins Kippfenster geworfen»

Nach dem Umzug in die Alterssiedlung vor drei Jahren sei zunächst alles in Ordnung gewesen. «Doch dann wandten sich die Bewohner gegen Erich», so Ruth D. «Er erzählte mir, dass seine Geranien kaputtgemacht, sein Türschloss verklebt und ihm Buttersäure ins Kippfenster geworfen wurde.»

Ruth spricht von «Psychoterror» gegen Erich L. Abwart Philippe M. soll dabei federführend agiert haben. Er habe die anderen Anwohner der Alterssiedlung gegen Erich L. aufgehetzt.

«Im Juni 2017 hatten wir in Erichs ehemaliger Siedlung einen Zettel im Briefkasten. Unterschrieben durch die Bewohner der Alterssiedlung. Auf dem Zettel stand, dass Erich Frauen in der Umgebung belästigt haben soll. Das ist ein weiterer klarer Fall von Mobbing gegen Erich», ist sie sich sicher.

Letzten Samstagnachmittag, einen Tag vor der Tat, sei Erich L. vorbeikommen, sagt Ruth D. «Er erzählte mir, dass der Luftabzug in seiner Wohnung nicht funktioniere. Dabei dachte er, dass der Abwart dahinterstecke. Erich war enttäuscht und wütend.»

Ruth stellt jedoch klar, dass es keinerlei Anzeichen gab, dass Erich L. etwas Schlimmes im Schilde führte.

Er behauptete, in der Fremdenlegion zu sein

Auch Lukas H. (33) wohnt in Erichs Ex-Siedlung. Er kennt den mutmasslichen Schützen gut. «Erich ist ein langjähriger Freund und Nachbar von mir. Er war und ist eine Vertrauensperson.»

Den Anwohnern an seinem neuen Wohnort vertraute Erich L. jedoch nicht, berichten sowohl Lukas H. wie auch Ruth D. «Er erzählte ihnen, dass er in der Fremdenlegion war», so Ruth D. «Um die Leute zu beeindrucken.»

Lukas H. klärt jedoch auf: «Er war nie in der Fremdenlegion. Er war früher Sprengmeister. Dann war er fast 20 Jahre auf Reisen in Südamerika und Südostasien.»

In letzter Zeit besuchte Erich L. seine Freunde am Ex-Wohnort praktisch jeden Tag. Lukas H.: «Traurig und gezeichnet berichtete er über die Vorkommnisse in der Alterssiedlung. Er sagte mir, dass jemand ihm die Post und Lebensmittel klaue. Erich verdächtigte den Abwart, diese Aktionen begangen zu haben. Dazu soll jemand auf seine Fussmatte uriniert haben.»

Lukas H. berichtet weiter: «Erich hatte zuletzt starke Schmerzen wegen einer Zahn-OP. Er musste Opiate zu sich nehmen.»

Warum eskalierte der Streit am Sonntag?

Wieso die Situation am Sonntagabend eskalierte, bleibt unklar. Lukas H. meint: «Es braucht sehr viel, bis Erich ausrastet. Ich weiss nicht, was passierte, dass er so reagierte. Er ist ein Freigeist, der alles gesehen hat, was man im Leben sehen muss. Er wollte in der Alterssiedlung nur seine Ruhe geniessen. Doch die bekam er nicht. Stattdessen war er Opfer jahrelangen Mobbings.» 

Erich L. habe Kinder geliebt, erzählt ein Ehepaar aus seiner Ex-Siedlung. Sie hatten regen Kontakt mit Erich L. «Für unsere Kinder spielte er jedes Jahr den Samichlaus. Die Kleinen hatten eine Riesenfreude.»

Nach der Tat wurde Erich L. in Polizeigewahrsam genommen. Dort befindet er sich Stand Dienstagnachmittag immernoch. Die Staatsanwaltschaft beantragte U-Haft.

Der angeschossene Abwart ist weiterhin im Spital, er liegt jedoch nicht mehr auf der Intensivstation. Ihm geht es laut Angaben der Familie schon besser. 

* Namen geändert





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