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Polit-Experte Erich Gysling erklärt, warum Trumps Hoffnungen verfehlt sind: Kim wird niemals alle Atomwaffen verschrotten

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SINGAPUR –
Die Zeit der Beschimpfungen ist vorbei. Nun muss Trump einen Weg wählen, den er eigentlich hasst: jenen der Diplomatie.

Der Trump-Kim-Gipfel kam besser heraus als allgemein erwartet – doch Begeisterung wäre fehl am Platz. In der Erklärung von Singapur steht ja nichts Konkretes, sie strotzt vor Absichten und Erwartungen, etwa von der Hoffnung auf «Denuklearisierung» der ganzen koreanischen Halbinsel – und auf Frieden.

Es gibt keinen Hinweis darauf, wann und wie umfangreich Nordkorea sein kleines Atomwaffenarsenal vernichten werde. Auch nicht darauf, wie die USA ihre militärische Macht rund um Korea reduzieren könnten.

Und doch ist die Bilanz positiv. Vor allem, weil die in den letzten Jahren aufgebaute Drohkulisse von Schlägen mit Atomwaffen nun in sich zusammenbricht. Die beiden Staaten, das kleine Nordkorea und die grossen USA, sind jetzt zum Dialog verdammt, so mühselig dieser Dialog auch sein wird.

Jetzt ist Diplomatie gefragt

Trump kann nicht mehr in seine alte Rhetorik zurückverfallen. Höhepunkt: «Ich habe den grösseren Atomknopf als der little rocket man!» Und Kim kann nicht nochmals drohen, mit seinen Raketen eine amerikanische Insel im Pazifik oder gar das amerikanische Festland zu treffen.

Beide Staaten müssen sich in den nächsten Wochen oder Monaten auf einige konkrete Schritte einigen. Nordkorea könnte auf einen Bruchteil seines Arsenals verzichten, worauf die USA die Sanktionen lockern würden. Heisst: Jetzt ist Diplomatie gefragt – von einer US-Administration, welche Diplomatie bisher als etwas Überflüssiges betrachtete.

Die Erwartung, dass Kim alle Atomsprengköpfe zur Vernichtung nach Amerika verschiffen würde, halte ich für illusorisch. Die Atomwaffen, so wenige es auch immer sein mögen, sind die Lebensversicherung des Kim-Regimes, sie zwangen Trump zu Verhandlungen auf Augenhöhe. 

Andere Regime könnten sich auch als Atommacht profilieren wollen

Deprimierend bleibt die Erkenntnis, dass sich sogar eine extreme Diktatur, durch geschicktes Taktieren, international Respekt erringen kann. Für Trump ist offenkundig nebensächlich, dass der junge Mann, den er umarmt und als in hohem Masse fähig rühmt, das eigene Volk durch massive Unterdrückung an der Kandare hält. Dass derselbe Kim, den er nun als Freund bezeichnet, eigene Verwandte hinrichten liess und bis zu 150’000 Menschen in Arbeitslagern terrorisiert.

Wer vor Trump machtvoll auftritt, erhält als Dank Respekt – wer Vernunftpolitik betreibt, wie der kanadische Premier Trudeau oder wie Angela Merkel, erntet Verachtung.

Und noch einen bitteren Nachgeschmack hinterlässt der Trump-Kim-Gipfel: Er wird bei verschiedenen Regimes zum Nachdenken darüber führen, ob sie nicht dem Beispiel Nordkoreas folgen sollten – sich also so schnell wie möglich als Atommacht zu profilieren. Kandidaten für eine solche Strategie gibt es einige.





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