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Handy-Mik sucht nach illegalen Übertragungen: Spanische Liga spioniert Fussball-Fans aus

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Die neue EU-Datenschutz-Grundverordnung wirkt: In Spanien hat sie nur wenige Wochen nach Inkrafttreten bereits einen Skandal ans Tageslicht befördert.

Die offizielle Smartphone-App der spanischen Fussball-Liga «La Liga» kann das Handy-Mikrofon ihrer Nutzer aktivieren, um darüber nach unlizenzierten öffentlichen Übertragungen von Spielen zu fahnden. Das berichtet die spanische Tageszeitung «El País». Die Praxis flog durch das Inkrafttreten der neuen EU-Datenschutz-Grundverordnung auf.

Schauen die Nutzer der App ein Spiel in einer Bar, die keine Pay-TV-Gebühren zahlt, kann die Liga einschreiten. Denn per GPS wird auch der Ort ermittelt, wo sich diese Fussballfans befinden. 

Thema ging viral

Vor dem Inkrafttreten der neuen Datenschutzverordnung hiess es in den ausufernden Nutzungsbestimmungen der App nur, dass das Mik für «Publikumsanalysen» genutzt werde. In der neuen, deutlich knapperen Datenschutzerklärung steht nun, die App versuche über das Mikrofon herauszufinden, ob der Nutzer Fussball schaue. Zudem fahnde sie nach Betrug.

Das ist Rechtsexperten in Spanien aufgefallen, die sich in der Folge auf Twitter über die Praxis beschwerten. Das Thema ging viral. Seit wann die App Daten des Handy-Mikrofons abgreift, ist nicht bekannt.

Fehlende Einnahmen von 150 Millionen jährlich

Die spanische Fussball-Liga muss sich massive Kritik wegen der App gefallen lassen – immerhin haben Millionen Spanier die Anwendung auf ihrem Smartphone und werden so ohne ihr Wissen als Spitzel missbraucht.

Die Liga verteidigt sich: Sie verliere durch unlizensierte Aufführungen von Fussballspielen Einnahmen von 150 Millionen Euro pro Jahr. Das Mikrofon werde nur dann aktiviert, wenn ein Spiel der Liga laufe. Ausserdem würden nur Fragmente aufgenommen. Diese Audioaufnahmen würden automatisch in einen Code umgewandelt, «der irreversibel ist und es nicht erlaubt, die Daten zurück in die Audioaufnahme zu konvertieren». 

So kann man sich schützen

Die Nutzer der App können den Zugriff auf Mikrofon und Ortungsdienst blockieren. Allerdings müssen sie dazu die Einstellungen des Smartphones ändern. Wenn sie die Nutzungsbedingungen von «La Liga» bestätigen, akzeptieren sie automatisch, dass die App darauf zugreifen darf. (noo)





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