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BLICK-Analyse zum Gipfel in Singapur: Kim, der Sieger

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In Singapur liess sich US-Präsident Donald Trump als Friedensapostel feiern. Doch der eigentliche Winner des Treffens ist ein anderer, schreibt BLICK-Journalist Fabian Vogt, der den Gipfel vor Ort mitverfolgte.

Der Singapur-Gipfel war ohne Zweifel historisch, der Händedruck zwischen Donald Trump und Kim Jong Un ein bewegender Moment für Millionen Menschen. Doch ob nebst der Symbolik Konkretes zurückbleibt, müssen die kommenden Wochen, die kommenden Jahre zeigen.

 

Denn das Dokument, das sie unterzeichnet haben, kann die Welt verändern, es kann aber auch nicht einmal die Tinte wert sein, mit der es unterschrieben wurde. Es wird darin zwar von anhaltendem Frieden und vollständiger Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel gesprochen. Doch das sind keine Verpflichtungen, lediglich Versprechungen, die zudem schon im Vorfeld gemacht wurden.

Beide Staaten waren schon öfter vertragsbrüchig

Was beide Länder von solchen Verträgen halten, haben sie in der Vergangenheit zur Genüge gezeigt. Die USA haben reihenweise Abkommen mit Ländern gebrochen, erst letzte Woche hat Donald Trump seine Unterschrift unter ein Dokument der G7-Staaten zurückgezogen, weil ihm eine Pressekonferenz von Kanadas Premierminister nicht passte. Und Nordkorea hat sich früher schon zur Abrüstung bereit erklärt, nur um das dafür versprochene Geld einzustecken und dem Gegner eine lange Nase zu machen. 

Beide Länder müssen deshalb mehr machen als nur reden. Sie müssen mit Taten zeigen, dass sie zu Veränderungen bereit sind. Nordkorea ist in dieser Hinsicht weiter, man hat kürzlich US-Kriegsgefangene freigelassen und eine Raketenabschuss-Basis zerstört. Von den USA ist nicht einmal bekannt, wie allfällige Zugeständnisse aussehen würden.

Kim hat erhalten, was er wollte

Trump erzählte in Singapur immerhin, dass er mit den «War Games» aufhören würde, den Manövern, in denen gemeinsam mit Südkorea der Ernstfall geprobt wird. Als Trump das den anwesenden Reportern in Singapur erzählte, war Kim bereits auf dem Heimweg. Als grosser Sieger. 

Kim hat erhalten, was er wollte: die Zusicherung der Amerikaner, für einen gemeinsamen Frieden Nordkorea wirtschaftlich unter die Arme zu greifen. Dass Kim dafür sein Arsenal abbauen muss, stört ihn kaum. Ihm geht es vor allem darum, seine Macht zu erhalten, die Atomwaffen waren schon immer bloss als Abschreckung gegen aussen gedacht.

Innenpolitisch lässt er Gegner seit jeher in Straflager werfen oder bringt sie um, Hunderttausende Menschen leiden unter seinem Regime. Daran hat auch der Singapur-Gipfel nichts geändert. 





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