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Verhandlungsexpertin Birgit Leopold erklärt, wie der Gipfel erfolgreich wird: «Die beiden sollten auf jeden Fall sitzen»

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SINGAPUR –
Am Dienstag treffen sich US-Präsident Donald Trump (71) und Nordkoreas Diktator Kim Jong Un (34) in Singapur zum Gipfel der Hoffnung. Verhandlungsprofi Birgit Leopold erklärt, wie das Gespräch zum Erfolg wird und welche Worte die beiden auf keinen Fall in den Mund nehmen dürfen.

BLICK: Wie bringt man ein Gespräch zwischen zwei solch unberechenbaren Alphatieren zu einem erfolgreichen Abschluss?
Birgit Leopold: Wichtig ist, dass die Gespräche für beide Parteien einen verwertbaren Sieg einbringen. Beide Verhandlungspartner sind aus unserer Sicht übrigens sehr berechenbar. Beide verfolgen immer die gleiche Strategie: Stärke zeigen und aus einer starken Position die Verhandlungsrichtung bestimmen.

Wie sollten die ersten Worte der beiden lauten?
Am Anfang müssen beide ihre Gemeinsamkeiten und den Willen zur Einigung betonen. Ideal wären Aussagen wie: «Vielen Dank für die ausgezeichnete Vorbereitung.» Auch Wörter wie «great» und «exciting» wären konstruktiv.

Wie muss das Gespräch moderiert werden?
Bei Verhandlungspartnern mit ausgeprägter Lust zur Machtdemonstration gibt es zwei Hauptaufgaben für die Moderation: erstens Gesichtsverlust vermeiden, zweitens als aktiver Zuhörer auch die kleinsten Verhandlungsfortschritte erkennen. Es ist wichtig, regelmässig die Zwischenerfolge mit Betonung auf Gemeinsamkeiten zusammenzufassen.

Wer ist der geeignete Moderator? Ex-Basketballer Dennis Rodman, der beide Präsidenten kennt und auch schon vermittelt hat?
Dennis Rodman und Kim Jong Un scheinen vor allem ein gemeinsames Thema zu haben: Basketball. Herr Rodman hat wohl keine grosse Lust, sich mit politischen Themen zwischen die Fronten zu stellen. Es darf auch nicht sein, dass der Moderator den Gesprächsteilnehmern die Show stiehlt. Ideal ist jemand mit diplomatischem Geschick, ohne Ego-Allüren und mit Verständnis für den spielerischen Zugang zur Verhandlung. Sowohl Donald Trump als auch Kim Jong Un zelebrieren das Brechen von gesellschaftlichen Regeln. Ein rational gesteuerter Moderator würde hier an seine Grenzen stossen.

Wie müssen sich die beiden begegnen?
Der Raum soll repräsentativ sein. Es braucht einen runden Verhandlungstisch und die Möglichkeit für Nebenabreden. Die beiden sollen auf jeden Fall sitzen, damit die Augenhöhe physisch hergestellt wird (Trump ist 1,90 Meter, Kim 1,70 Meter gross; Anm. d. Red.).

Wie soll die Menükarte aussehen?
Sollte Kim Jong Un auch Burger-Fan sein, dann Burger. Sonst lokale Speisen vom Veranstaltungsort. Kein Alkohol, sondern genügend Tee und Wasser.

Welche Worte wären für das Gespräch verheerend?
Hier treffen zwei Männer der Superlative aufeinander. Sie wissen, wie man Macht demonstriert und sich Optionen offenhält. Nicht nur offensichtlich negative Ausdrücke, sondern auch Wörter wie «gut» und «Durchschnitt» sollen durch Superlative ersetzt werden.

Wie schätzen Sie selber den Gipfel ein?
Wir dürfen gespannt sein, wie der Termin verläuft – ob es eine Einigung geben wird oder ob es ein weiteres genial inszeniertes Presseereignis ist mit dem Ziel, den Konflikt aufrechtzuerhalten und die Medien zu dominieren.

*Birgit Leopold (29) ist Verhandlungsexpertin beim Schranner Negotiation Institute mit Sitz in Zürich, New York und Hongkong. Der aus München stammende und in der Schweiz lebende Institutsgründer Matthias Schranner (54) bezeichnet seine Firma als das weltweit führende Beratungsunternehmen in der Unterstützung von schwierigen Verhandlungen. Zu seinen Kunden ge hören die Vereinten Nationen, globale Unternehmen und politische Parteien in schwierigen Verhandlungen.

Alle aktuellen Ereignisse rund um das historische Treffen zwischen Trump und Kim gibt es im Singapur-Ticker.

 




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