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Ex-Aussenministerin Micheline Calmy-Rey misstraut Kim-Gipfel: «Ein gefährlicher Präzedenzfall»

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Am Dienstag treffen sich Donald Trump und Kim Jong Un zu einem historischen Gipfel. Ein Schritt Richtung Frieden? Micheline Calmy-Rey ist noch skeptisch.

Frau Calmy-Rey, erinnern Sie sich an den 19. Mai 2003?
Micheline Calmy-Rey:
Natürlich. An diesem Tag überschritt ich als erste ausländische Regierungsvertreterin überhaupt die Demarkationslinie von Nord- nach Südkorea.

War Pjöngjang nicht ein ungewöhnliches Ziel für Ihre erste ­grosse Reise als Aussenministerin?
Erstens standen – und stehen noch immer – Schweizer Soldaten an der Demarkationslinie. Dann gab es – und gibt es noch immer – mehrere Deza-Projekte im Norden. Und drittens war die Nichtverbreitung von Atomwaffen eine unserer Prioritäten. Die politischen Fenster in Nord- und Südkorea hatten sich einen Spalt weit geöffnet. Pjöngjang wollte Seoul und damit die USA wissen lassen, dass man zu Gesprächen bereit sei.

Und Sie waren die Botin mit den auffälligen roten Schuhen.
Genau. Für den Übertritt von Nord- nach Südkorea muss der amerikanische General über Lautsprecher um Erlaubnis gebeten werden. Das war das Zeichen, dass ich mit einer Nachricht für die US-Botschaft und das Aussenministerium in Seoul kam.

Was genau wollten die Nordkoreaner damals von Washington und Seoul?
Im Grunde nichts anderes als das, worum es jetzt in Singapur geht. Es gab ja eine Rahmenvereinbarung zwischen Washington und Pjöngjang aus dem Jahr 1994, die aber von beiden Seiten nicht umgesetzt worden war. Da wollte Nordkorea wieder ansetzen: Sie wollten Sicherheitsgarantien von den USA. So simpel ist das.

Und warum hat Kim Jong Un ­geschafft, was seinem Vater und seinem Grossvater nicht gelang?
Einfach, weil Kim Jong Un Atomwaffen und damit neuen Manövrierraum hat. Aber damit ist ein gefährlicher Präzedenzfall entstanden.

Wieso?
Der Iran hat auf sein Atomprogramm verzichtet. Und wie werden die jetzt von Washington behandelt? Nord­korea dagegen liess sich nicht einschüchtern – und diskutiert jetzt auf Augenhöhe mit dem US-Präsidenten.

Was hat Präsident Trump im Umgang mit den Nordkoreanern besser gemacht als seine Vorgänger?
Trump hat – genau wie Südkorea – nur positiv auf das nordkoreanische Gesprächsangebot reagiert. Wer da wie clever gespielt hat, wird sich zeigen.

Hat Kim Jong Un etwa den «besten Dealmacher der Welt» ­ausgetrickst?
Das werden wir am Dienstag sehen.

Das hört sich nicht sehr optimistisch an!
Die USA verstehen unter Denuklearisierung die totale, nachprüfbare und irreversible nukleare Abrüstung Nordkoreas. Russland, China und natürlich Nordkorea verlangen auch den Abzug der amerikanischen Atomwaffen aus Südkorea.

Soll nicht genau über solche Fragen verhandelt werden?
Hoffentlich einigen sich Trump und Kim in Singapur grundsätzlich über die Aufnahme direkter Verhandlungen. Fragen wie die Verifizierbarkeit nordkoreanischer Abrüstungsschritte kommen später. Dürfen Atominspektoren wieder ins Land? Was passiert mit dem atomaren Schutzschirm der USA über Japan und Südkorea? China wird seine Atomwaffen ja nicht aufgeben.

Aber es könnte funktionieren, oder?
Das Gipfeltreffen in Singapur ist nur ein erster positiver Schritt. Ob er reichen wird? Ich weiss es nicht.


 





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