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Denkmalschutz: Perlen aus der Ursprungszeit freilegen

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Im Südtrakt des Zürcher Hauptbahnhofs wird ein markanter zweigeschossiger Glaskubus eingebaut - aus dem gleichen Glas wie die Fenster der Wannerhalle.

Die Wannerhalle – der markante, denkmalgeschützte Bau am Zürcher Hauptbahnhof – wird nach 150 Jahren saniert. Alte Strukturen sollen sichtbar gemacht, Räume aus der Ursprungszeit befreit und mehr Tageslicht ins Innere gebracht werden. Am Montag starteten die Arbeiten.

Der 1871 erbaute Südtrakt ist der Dreh- und Angelpunkt des Zürcher Hauptbahnhofs. Das vom Architekten Jakob Friedrich Wanner erbaute Sandsteingebäude mit seinen hohen Räumen und Wandelgängen muss aber dringend saniert werden.

Vor allem die technischen Anlagen seien nach 150 Jahren am Ende ihrer Lebenszeit angekommen, sagte Alexander Muhm, Leiter Immobilien bei der SBB, am Montag vor den Medien in Zürich. Um den Zustand und den Wert dieses Schutzobjekts zu erhalten, müsse aber auch die Gebäudehülle saniert werden. «Die Anforderungen an die Denkmalpflege waren sehr streng.»

Die Sanierung erfolgt in zwei Etappen. Bis 2020 wird der grösste Teil der Arbeiten unbemerkt im Hintergrund erfolgen. Dabei geht es vor allem um die Unterkellerung der Arkade beim Ostportal und um einen Einbau einer neuen Produktionsküche unterhalb der Wannerhalle.

In der zweiten Phase ab 2020 bis 2023 geht es dann ans Lebendige: Der ganze Südtrakt vom ersten Untergeschoss bis ins vierte Obergeschoss muss erneuert werden. «Dafür wird das ganze Gebäude geschlossen», sagte Muhm. Man habe intensiv nach einer Lösung für eine Zwischennutzung gesucht. «Es ist aber technisch nicht möglich.»

Markant wird ein zweigeschossiger Neubau aus Glas, welcher im Südtrakt eingebaut wird. «Wir benutzen dabei das gleiche Glas wie bei den Fenstern in der Wannerhalle», sagte Bernhard Aebi von Aebi & Vincent Architekten. Die neun Jahre Arbeit an diesem Projekt seien sehr spannend gewesen. «In diesem Bahnhof schlummert ein riesiges, unbekanntes Potenzial.»

So wollen die Architekten denn auch etwa alte Strukturen wieder an die Oberfläche bringen, Decken und Pfeiler von Überbauungen befreien und das Tageslicht ins Innere des altehrwürdigen Gebäudes bringen. «Unser Trick: Wir verbannen die Haustechnik ins unterste und ins oberste Geschoss», erklärte der Architekt.

Nebst der Generalsanierung des Südtrakts startet die SBB im Juni auch mit der Renovation der 85-jährigen, denkmalgeschützten Gleishalle. Dabei werden 116 Stahlpfeiler saniert und das 280 Meter lange Holzdach neu abgedichtet.

«Dieses Sanierungsprojekt macht das Schmuckstück wieder fit», sagte der Stadtzürcher Hochbauvorsteher André Odermatt (SP). Täglich bewegten sich 440’000 Leute durch das Gebäude – mehr als die Stadt Einwohner habe. «Der Hauptbahnhof ist das erste, was die Besucher von der Stadt sehen und das letzte Bild, das sie wieder mitnehmen.»

In eine Metallkapsel steckten Odermatt und der Gesamtprojektleiter Martin Riesen von der SBB schliesslich einen Nagel, die Baupläne, einen Stick mit dem Bauprojekt, die Baubewilligung, eine Fotografie aus der Ursprungszeit sowie einen Geschenkgutschein von 20 Franken. Die Kapsel soll dereinst am Ostportal in die Mauer eingebaut werden.





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