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In der Schweiz fehlt es an Heilpädagogen: Zu wenige Lehrer für die Schwächsten

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In der Schweiz fehlt es an schulischen Heilpädagogen. Besserung ist nicht in Sicht, denn viele Schulen haben sich mit dem Missstand arrangiert.

Seit einigen Jahren verfolgen die Schulen in der Schweiz einen integrativen Bildungsansatz. Das heisst: Auch leistungsschwache und behinderte Schüler werden – wenn möglich – in den regulären Unterricht integriert.

Damit dieses System erfolgreich sein kann, benötigen die Klassenlehrpersonen personelle Unterstützung durch Heilpädagogen. Diese sollen sich um die Schwächsten im Klassenzimmer kümmern (siehe Box unten).

Doch seit es die integrative Schule gibt, fehlt es an Heilpädagogen. Im neuen Schuljahr, das in rund zwei Monaten beginnt, wird es nicht anders sein, schlimmer noch: Gemäss einer Umfrage, die der Dachverband der Deutschschweizer Schulleiterinnen und Schulleiter (VSLCH) im Mai durchgeführt hat, suchen zwei von drei Schulen mindestens einen Heilpädagogen. 81 Prozent der Suchenden bekundeten Mühe, die Stellen zu besetzen. Ein Teil davon bezeichnete das Unterfangen gar als «hoffnungslos».

Das Problem betrifft die ganze Schweiz – grosse Kantone und kleine, die Deutschschweiz ebenso wie die Romandie und das ­Tessin. Besonders prekär ist die Situation im Kanton Zürich. Von den rund 400 Jobs, die zurzeit im Kindergarten, auf Primar- und Sekundarstufe ausgeschrieben sind, sollen rund 150 mit Heil­pädagogen besetzt werden. Für all diese Stellen entsprechend ausgebildete Leute zu finden, ist ein Ding der Unmöglichkeit.

Zürich handelt

Brigitte Mühlemann, Abteilungsleiterin Pädagogisches beim Zürcher Volksschulamt, hat deshalb folgende Devise herausgegeben: «Offene Stellen im ­Bereich der schulischen Heil­­pä­dagogik, die nicht durch ausgebildete Heilpädagogen besetzt werden können, sollen durch Lehrpersonen mit einem Regelklassenlehrdiplom besetzt werden.»

Das wird schon heute oft gemacht. Gemäss Zahlen der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik, die von 13 Kantonen und dem Fürstentum Liechtenstein getragen wird, verfügen nur etwa 50 bis 60 Prozent der Lehrpersonen, die in der Volksschule als schulische Heilpädagogen arbeiten, über eine entsprechende Ausbildung.

Laut Bernard Gertsch, Prä­sident des Deutschschweizer Schulleiterverbandes, habe dies nicht nur für die Kinder negative Folgen: «Die ausgebildeten schulischen Heilpädagogen haben dadurch immer weniger Zeit, um ­direkt mit den bedürftigen Kindern zu arbeiten.»

Sie seien stattdessen vor allem damit beschäftigt zu entscheiden, welche Kinder zusätzliche Unterstützung benötigen, und mit der Erstellung von entsprechend angepassten Lehrplänen. «Dies kann sehr demotivierend sein für die schulischen Heilpädagogen, da es nicht ihrem ursprünglichen Berufsziel entspricht.»

Dafür, dass sie die zusätzliche Ausbildung auf sich genommen haben, fehle dann jede Belohnung.

Besserung muss warten

Eine schnelle Besserung der Situation hält Schulleiterpräsident Gertsch für unrealistisch: «Wenn eine Stelle ein, zwei Jahre ausgeschrieben ist und nicht mit einer passenden Lehrperson besetzt werden kann, arrangieren sich die Schulen irgendwie damit. Im schlimmsten Fall wird die Stelle sogar ganz gestrichen, insbesondere dann, wenn gespart werden muss.»

Das will Bernard Gertsch verhindern. Er fordert deshalb, dass ausbildungswillige und geeignete Lehrpersonen vom Kanton oder den Schulgemeinden bei ihrem Vorhaben stärker unterstützt werden. «Die Anstellungsinstanzen sollten die Stu­diengebühren übernehmen und für die Zeit nach der Ausbildung eine Arbeitsplatzzusicherung abgeben.»

Die Anzahl der Studierenden an der Hochschule für Heilpädagogik in Zürich hat sich in den vergangenen Jahren nur unwesentlich verändert. Rektorin Barbara Fäh sagt dazu: «Wir könnten mehr Fachpersonen aus­bilden. Die Kantone müssten diese Plätze jedoch zusätzlich finanzieren.»





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