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Der US-Präsident verabschiedet sich von der erprobten Weltordnung: Was Trumps G7-Eklat für die Welt bedeutet

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Der US-Präsident verweigert die Unterschrift des Abschluss-Kommuniqués des G7-Gipfels und beschimpft den kanadischen Premier. Offen zeigt er seine Verachtung für seine Gesprächspartner und seine Bewunderung für Autokraten wie Kreml-Chef Putin.

Präsident Donald Trump hat die engsten Verbündeten der USA hintergangen. 

Unmittelbar vor seiner vorzeitigen Abreise vom G7-Gipfel im kanadischen La Malbaie hatte er noch seine Unterschrift unter das gemeinsame Schluss-Kommuniqué versprochen.

Doch kaum hatte die Air Force One auf dem Weg zu dem historischen Treffen mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un in Singapur abgehoben, als Trump in einem seiner gefürchteten Wutanfälle buchstäblich in die Luft ging.

Alles schon vorher so geplant 

Weil Kanadas Premierminister und Gastgeber Justin Trudeau während der abschliessenden Pressekonferenz dabei blieb, die von den USA verhängten Strafzölle ab dem 1. Juli mit entsprechenden Gegenmassnahmen zu beantworten, wurde er von Trump als «schwacher Feigling» beschimpft. Seine Unterschrift unter die gemeinsame Schlusserklärung zog er zurück. Stattdessen drohte er den restlichen Gipfelteilnehmern mit dem totalen Handelskrieg:

Sollten sie ihre «unfairen» Handelspraktiken nicht umgehend aufgeben, würden die USA sie insgesamt vom amerikanischen Markt ausschliessen: «Die brauchen uns mehr als wir sie.»

Doch der cholerische Ausbruch war wohl nur Teil einer längst vorher und hinter dem Rücken der anderen Gipfelteilnehmer geplanten Inszenierung: Trump hatte noch nicht aufgehört zu brüllen, da erhielten die mit ihm nach Singapur reisenden Journalisten schon eine mit Fotos und Zitaten gespickte E-Mail, in der die Pressestelle des Weissen Hauses all das auflistete, was Trump gerade erst gesagt hatte.

Das Ende der erprobten Weltordnung

Da war er, der Bruch, den die Europäer und Japan bis zum Schluss zu verhindern versucht hatten. 

Trumps Personalrochaden der vergangenen Monate hatten die letzten moderaten Berater aus dem Weissen Haus verjagt. Jetzt ist der Präsident von politischen Falken umgeben, die wenig oder gar keine Sympathien für die seit dem 2. Weltkrieg entstandene Weltordnung mehr haben. 

Einen Vorgeschmack auf das, was da im Anzug ist, bekam die deutsche Regierung mit dem neuen US-Botschafter Richard Grenell. Der erklärte unmittelbar nach seiner Ankunft in Berlin in einem Interview mit der ultrarechten amerikanischen Internetplattformen Breitbart, er wolle sein Amt vor allem nutzen, um die Rechtsaussenkräfte in Europa zu stärken. 

Lieber mit Autokraten als mit Demokraten

Trumps Motto «America first» ist das Programm eines Möchtegern-Autokraten, dem das demokratische Regelkorsett zu eng geworden ist. 

Der US-Präsident orientiert sich in seinem Handeln stattdessen lieber an dem philippinischen Präsidenten Rodrigo Duterte, der das Drogenproblem seines Landes mit Todesschwadronen bekämpft. 

Trump beneidet den chinesischen Staatschef Xi Jinping um dessen entstehenden totalen Überwachungsstaat. 

Den Nordkoreaner Kim Jong-un, der mindestens 120’000 Menschen in mörderischen Gefangenenlagern hält, bezeichnet Trump inzwischen als einen «sehr ehrenwerten Mann».

Und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin hat er die Annektion der Krim und den Krieg in der Ostukraine längst verziehen. Der Kremlchef, so Trumps Forderung an die G7, müsse in den exklusiven Kreis wieder aufgenommen werden.

Bauch gegen Verstand 

Der Herr über das grösste Atomwaffenarsenal der Welt folgt keiner rational politischen Analyse mehr. Er agiert aus rein emotionalem Bauchgefühl heraus.

Die Folgen dieses ungezügelten Ego-Trips von Donald Trump sind dramatisch: Indem ausgerechnet der amerikanische Präsident die Fundamente der liberalen Demokratie angreift, schwächt er die weltpolitische Rolle der USA und stärkt die Feinde der freien Welt. 

Wie weit Trump die Sicherheitsarchitektur vor allem in Europa bereits beschädigt hat, lässt sich an der schnellen Reaktion Putins auf das Scheitern des G7-Gipfels in Kanada ermessen: Er habe, liess der Kremlchef verlauten, überhaupt kein Bedürfnis, wieder in diese »Schwatzbude« aufgenommen zu werden. Stattdessen wolle er sich lieber allein mit Donald Trump treffen.

Hilfloses Entsetzen auch in den USA 

Zwar wächst in den USA auch unter den Republikanern das Entsetzen über einen Präsidenten, der seine Verachtung für die wichtigsten politischen, militärischen und wirtschaftlichen Alliierten inzwischen offen zur Schau stellt. «Wir sind an Eurer Seite, auch wenn unser Präsident es nicht ist», liess etwa der todkranke republikanische Senator John McCain die Europäer wissen.

Doch Anfang November finden in den Vereinigten Staaten Zwischenwahlen statt. Und kaum einer der Republikaner, die um ihren Sitz im Kongress oder dem Senat kämpfen müssen, wagt es noch, sich offen gegen Donald Trump und seine Politik zu stellen.

Auch wenn sie es so offen noch nicht formulieren mögen: Amerikas Verbündete sind – zum ersten Mal seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs – auf sich allein gestellt.





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