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Hey Google, vergiss es: Der Kunde von heute kauft nicht lokal

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Immer mehr Menschen suchen vor Ort nach Produkten. Google denkt deshalb, Kunden würden vor Ort kaufen wollen. Und Omnichannel sei demnach die Rettung des Einzelhandels. Das ist beides falsch.

Ein Google-Mitarbeiter singt in einem Werbepost bei Thinkwithgoogle das Loblied des lokalen Suchmaschinenmarketings und behauptet, die Nutzer wollen lokal einkaufen. Das Suchvolumen nach lokalen Angeboten hätte zugenommen, so Todd Pollak, Retail Industry Director bei Google. Mobile Suchen in der näheren Umgebung hätten sich in den letzten zwei Jahren verdreifacht und mobile Suchen nach „where to shop/buy“ seien um 85 Prozent gestiegen. Und das Ganze ist betitelt mit: „Der Einzelhandel ist nicht tot.“

Die Argumentation setzt sich dann fort und empfiehlt, Digital- und Omnichannel-Strategie abzugleichen, um mit einer „hyperlokalen“ Strategie Traffic und Umsatz in die Läden zu bringen. Google belegt das mit Erfolgszahlen von lokal ausgerichteten Anzeigen, die in internen Studien mit Anzeigenkunden aus dem Handel ermittelt wurden. Lokale Anzeigen, die zum Beispiel 107 Prozent mehr Besucher in die Läden gebracht hätten als überregionale Anzeigen. Die Ergebnisse sind sicher richtig, aber die Schlüsse, die daraus gezogen werden, sind falsch und zementieren alte Denkweisen.

Der Kunde kauft nicht lokal, sondern sofort

In Pollaks Blogpost ist ausführlich beschrieben, dass der Kunde von heute seinen Bedarf sofort decken will. So sollen sich die mobilen Suchen nach dem Begriff „Same Day Shipping“ seit 2015 verdoppelt haben. Suchanfragen für die nähere Umgebung haben sich ebenfalls verdoppelt und 80 Prozent der ungeduldigen Kunden würden in einen Laden gehen, um einzukaufen.

Hier steckt der Fehler in Googles Argumentation: Kunden wollen primär nicht lokal einkaufen, sondern schnell ihren Bedarf decken. Mehr steckt nicht hinter dem Anstieg des Suchvolumens nach örtlichen Angeboten. Den Bedarf eines Kunden sofort zu decken, ist neben dem haptischen Erlebnis der einzig verbliebene Vorteil des stationären Handels gegenüber dem Onlinehandel. Und dieser Vorteil schmilzt weg mit Same-Day-Delivery und Zwei-Stunden-Lieferversprechen wie bei Amazon Prime Now.

Same-Day-Lieferdienste gleichen den Onlinehandel dem stationären Handel an. Ein Alleinstellungsmerkmal verschwindet. (Screenshot: Amazon/t3n.de)

Im Moment muss der Kunde noch überwiegend in den lokalen Handel, wenn er das Produkt sofort haben will. Aber was passiert, wenn der Onlinehandel schneller wird? Same-Day-Delivery wird sich weiter ausbreiten und dann verliert der Handel das Alleinstellungsmerkmal der sofortigen Warenverfügbarkeit. Dann lautet Antwort auf die Frage „Wo kann ich diesen Artikel sofort bekommen“ nicht mehr ausschließlich Karstadt, sondern auch: im Onlinehandel.

Lokales Suchmaschinen-Marketing ist nicht die Rettung des stationären Handels

Implizit liest sich Pollaks Post, als wären lokale Anzeigen ein gemeinsamer Kristallisationspunkt für Digital- und Omnichannel-Strategie und könnten Großes bewegen. Bestimmt sind lokale Anzeigen sinnvoll – aber sie sind keine Rettungsstrategie für den Einzelhandel. Irgendwie klingt Googles Werbepost, als müssten die großen Händler nur lokal Werbung machen und schon strömen die Kunden wieder in den Laden.





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